Einblasdämmung nicht an allen Hauswänden möglich – was passiert mit der ungedämmten Wand?

Einblasdämmung nicht an allen Hauswänden möglich – was passiert mit der ungedämmten Wand?

Inhaltsverzeichnis

Infografik: Haus mit drei per Einblasdämmung dämmbaren Wänden und einer massiven vierten Wand ohne Hohlraum, dazu die Schritte 1 bis 5 und die Lösungen WDVS, Dachdeckerfassade und Innendämmung
Drei Hausseiten mit Hohlschicht, eine massive Wand ohne Hohlraum: So gehen wir in der Praxis vor – erst die geeigneten Wände dämmen, die vierte Wand im Winter messen und nur bei tatsächlichem Risiko nachrüsten.

In vielen Fällen kann es wirtschaftlich sinnvoll sein, zunächst die drei geeigneten Außenwände mit einer Einblasdämmung zu versehen und die verbleibende massive Außenwand während der nächsten kalten Heizperiode gezielt zu beobachten. Entscheidend sind dabei vor allem:

  • die Oberflächentemperatur der ungedämmten Innenwand,
  • die Raumtemperatur,
  • die relative Luftfeuchtigkeit,
  • mögliche Wärmebrücken und Außenecken,
  • die Nutzung und Möblierung des Raumes,
  • der Feuchtigkeitsgehalt in der ungedämmten Fläche.

Diese Werte kann der Hausbewohner sehr einfach selbst mit einem Oberflächentemperaturmessgerät und einem Feuchtemessgerät prüfen.

Zeigt sich dabei, dass die ungedämmte Wand dauerhaft zu kalt wird und dadurch ein erhöhtes Risiko für Oberflächenfeuchte und Schimmel entsteht, sollte auch diese Hausseite mit einem anderen Dämmsystem, wie beispielsweise einem Wärmeverbundsystem energetisch verbessert werden.

Das Wichtigste in Kürze

SituationUnsere Einschätzung
Drei Wände besitzen eine geeignete HohlschichtEinblasdämmung kann durchgeführt werden
Eine Wand ist einschalig/massivDort ist keine klassische Kerndämmung möglich
Muss deshalb auf die Dämmung der anderen Wände verzichtet werden?Nein, nicht automatisch
Wird die vierte Wand durch die Dämmung der anderen Wände plötzlich kälter?Nein – sie bleibt zunächst auf ihrem bisherigen Dämmniveau
Was verändert sich?Sie wird relativ gesehen zur thermisch schwächsten Außenwand
Was sollte überprüft werden?Oberflächentemperatur und Raumluftfeuchtigkeit im Winter
Kritischer BereichUnter Standardbedingungen etwa 12,6–13 °C Oberflächentemperatur als Warnbereich für erhöhtes Schimmelrisiko
Was tun, wenn die Wand kritisch kalt ist?Zusätzliche Dämmung, z. B. WDVS, vorgehängte Fassade oder geeignete Innendämmung

Warum kann eine Einblasdämmung manchmal nur an drei Hausseiten durchgeführt werden?

Bei einer Kerndämmung wird Dämmstoff in die vorhandene Luftschicht eines zweischaligen Mauerwerks eingeblasen. Dafür muss zwischen der inneren tragenden Wand und der äußeren Mauerschale ein ausreichend großer Hohlraum vorhanden sein. Doch gerade ältere Häuser wurden nicht immer einheitlich gebaut.

In der Praxis finden wir beispielsweise Gebäude, bei denen:

  • Vorder- und Rückseite zweischalig gemauert wurden,
  • eine Giebelseite eine Hohlschicht besitzt,
  • die andere Giebelseite jedoch massiv gemauert wurde,
  • ein späterer Anbau einen vollkommen anderen Wandaufbau besitzt,
  • Teile der Fassade nachträglich verändert oder zugemauert wurden.

Ist keine geeignete Hohlschicht vorhanden, können wir dort keinen Dämmstoff einblasen. Das ist keine Frage des Dämmstoffes oder der Einblastechnik: Wo kein geeigneter Hohlraum vorhanden ist, kann auch keine Kerndämmung eingebracht werden.

Tipp: Wie du erkennst, ob deine Außenwand überhaupt eine dämmbare Luftschicht besitzt, erklären wir dir Schritt für Schritt in unserem Beitrag Hohlschicht des Mauerwerks selbst ermitteln.

Kann man trotzdem nur drei von vier Hausseiten dämmen?

Grundsätzlich ja. Die entscheidende Frage lautet allerdings weniger „Kann man drei Seiten dämmen?“, sondern vielmehr: „Was passiert bauphysikalisch mit der verbleibenden ungedämmten Wand?“

Zunächst einmal etwas Wichtiges: Die massive vierte Wand wird durch die Dämmung der anderen drei Hausseiten nicht plötzlich schlechter als vorher. Ihr Wandaufbau verändert sich schließlich nicht. Die Wärmeleitfähigkeit des Mauerwerks, die Wandstärke und der Wärmedurchgang durch diese Wand bleiben zunächst dieselben wie vor der Dämmmaßnahme.

Was sich aber verändert, ist das Verhältnis der Außenflächen zueinander. Während die drei gedämmten Außenwände auf ihrer Innenseite deutlich wärmer werden, bleibt die vierte Außenwand auf ihrem bisherigen Temperaturniveau. Sie ist damit anschließend sehr wahrscheinlich die thermisch schwächste Außenfläche des Gebäudes – aber natürlich nicht kälter als vorher.

Bedeutet eine ungedämmte Wand automatisch Schimmel?

Nein, eine ungedämmte Außenwand muss nicht automatisch schimmeln. Wenn diese Wand seit 50 Jahren ohne Schimmelprobleme funktioniert hat, ist das zunächst einmal eine wichtige Information. Trotzdem sollte man die Situation nach der Dämmung der übrigen Außenwände beobachten.

Schimmel entsteht nicht allein dadurch, dass eine Wand schlechter gedämmt ist. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus mehreren Faktoren:

Wandoberflächentemperatur + Raumtemperatur + Luftfeuchtigkeit + Luftbewegung

Je kälter eine Wandoberfläche wird, desto höher steigt die relative Luftfeuchtigkeit unmittelbar an dieser Oberfläche. Genau deshalb entstehen Schimmelprobleme besonders häufig an:

  • kalten Außenecken,
  • Fensterlaibungen,
  • Betonstützen,
  • Deckenanschlüssen,
  • ungedämmten Wandabschnitten,
  • Bereichen hinter großen Schränken.

Das Umweltbundesamt weist ebenfalls darauf hin, dass niedrige Oberflächentemperaturen und Wärmebrücken zu erhöhter Oberflächenfeuchte und damit zu Schimmelwachstum führen können.

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Mehr Informationen

Warum wir häufig von ungefähr 13 °C sprechen

Hier müssen zwei Begriffe unterschieden werden: Taupunkt und Schimmelrisiko. Das ist nicht dasselbe. Der tatsächliche Taupunkt hängt immer von der Temperatur und Luftfeuchtigkeit des Raumes ab. Bei 20 °C Raumtemperatur beträgt der Taupunkt beispielsweise ungefähr:

Relative RaumluftfeuchteTaupunkt ungefähr
40 %6 °C
50 %9,3 °C
60 %12 °C

Erst wenn eine Oberfläche den jeweiligen Taupunkt erreicht oder unterschreitet, entsteht tatsächlich Kondenswasser. Schimmel kann jedoch bereits vorher entstehen, denn unmittelbar an einer kalten Wandoberfläche kann die relative Luftfeuchtigkeit schon sehr hoch sein, obwohl noch kein sichtbares Kondenswasser vorhanden ist.

Für den Mindestwärmeschutz wird deshalb unter den Standardbedingungen der DIN 4108-2 mit 20 °C Raumtemperatur und 50 % relativer Luftfeuchtigkeit eine kritische Oberflächentemperatur von etwa 12,6 °C angesetzt. Damit soll insbesondere eine Oberflächenfeuchte vermieden werden, die Schimmelwachstum begünstigen kann. Darum verwenden wir in der Praxis häufig ca. 13 °C als Warnmarke.

Wichtig: 13 °C sind kein universeller Taupunkt. Bei höherer Raumluftfeuchtigkeit kann eine Wand bereits bei deutlich höheren Oberflächentemperaturen problematisch werden.

Unser praktischer Vorschlag: erst dämmen, dann im Winter messen

Hier kommt der wirtschaftliche Gedanke ins Spiel. Eine Einblasdämmung ist im Vergleich zu vielen anderen Fassadendämmungen relativ kostengünstig. Wenn drei Hausseiten problemlos mit einer Kerndämmung gedämmt werden können, während für die vierte Hausseite ein wesentlich aufwendigeres Dämmsystem notwendig wäre, stellt sich die Frage: Muss man die teure vierte Wand wirklich sofort mitdämmen?

Wir halten es in bestimmten Fällen für vertretbar, zunächst die drei geeigneten Hausseiten zu dämmen und die verbleibende Wand während einer ausreichend kalten Heizperiode genau zu beobachten. Damit lässt sich feststellen, ob tatsächlich ein bauphysikalisch problematischer Zustand entsteht.

Besonders aussagekräftig ist die Messung

  • während mehrerer kalter Wintertage,
  • möglichst bei deutlichen Minus- oder niedrigen Außentemperaturen,
  • bei normal beheizten Innenräumen,
  • bei dokumentierter Raumluftfeuchtigkeit.

Gemessen werden sollten nicht nur beliebige Wandflächen. Interessant sind vor allem die kältesten Bereiche:

  • Außenecken,
  • Wand-Decken-Anschlüsse,
  • Wand-Boden-Anschlüsse,
  • Fensterlaibungen,
  • Bereiche hinter Möbelstücken,
  • Übergänge zwischen gedämmter und ungedämmter Wand.

Welches Messgerät braucht man?

Für eine erste Einschätzung reicht bereits eine Kombination aus Hygrometer und Infrarot-Oberflächenthermometer. Noch komfortabler ist eine Wärmebildkamera. Ein kleines digitales Datenlogger-System kann zusätzlich über mehrere Tage oder Wochen Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit aufzeichnen, so entsteht ein wesentlich aussagekräftigeres Bild als durch eine einzelne Messung.

Eine einmalige Messung an einem milden Wintertag sagt wenig aus. Interessant ist vielmehr: Wie kalt wird die Wand bei länger anhaltender kalter Witterung? So sehen diese Geräte aus und sind für circa 15–30 € beispielsweise bei Amazon erhältlich.

Digitales Feuchtigkeitsmessgerät für Wände mit Kugelsensor, Etui, Batterien und Verpackung
Feuchtigkeitsmessgerät Wand mit Kugelsensor
Berührungsloses Infrarot-Thermometer zur Messung von Oberflächentemperaturen von minus 50 bis 550 Grad Celsius
Infrarot-Thermometer

Beispiel: Was bedeuten 12 °C, 14 °C oder 16 °C Wandtemperatur?

Angenommen, im Wohnraum herrschen ungefähr 20 °C und 50 % relative Luftfeuchtigkeit. Dann kann man die Ergebnisse vereinfacht so bewerten:

Gemessene OberflächentemperaturErste Einschätzung
17–19 °Csehr unauffällig
15–17 °Cnormalerweise komfortabel
13–15 °Cgenauer beobachten
ca. 12,6–13 °Cunter Standardbedingungen Bereich erhöhten Schimmelrisikos
deutlich unter 12 °Cbauphysikalisch kritisch prüfen

Diese Tabelle ist ausdrücklich eine Orientierung und keine individuelle Tauwasserberechnung. Bei 60 oder 65 Prozent Raumluftfeuchtigkeit kann dieselbe Wandtemperatur wesentlich kritischer sein als bei 40 oder 45 Prozent.

Was passiert an den Übergängen zwischen gedämmter und ungedämmter Wand?

Besonders interessant sind die Gebäudeecken, denn hier treffen die gut gedämmte Wand und die ungedämmte Wand aufeinander. Gebäudeecken sind ohnehin sogenannte geometrische Wärmebrücken.

Wärmebildaufnahme einer Zimmerecke: die Wand-Decken-Ecke ist violett eingefärbt und mit 14,3 Grad Celsius deutlich kälter als die umgebende Fläche
Wärmebild einer Außenecke: Die Wand-Decken-Ecke ist mit 14,3 °C spürbar kälter als die übrige Wandfläche – ein typisches Beispiel für eine geometrische Wärmebrücke.

Das Verhältnis zwischen äußerer und innerer Oberfläche ist dort ungünstiger als auf einer ebenen Wandfläche. Deshalb sind Innenoberflächen in Außenecken häufig einige Grad kälter als die übrige Wand. Auf diese Bereiche sollte bei einer teilweise gedämmten Fassade besonders geachtet werden. Das bedeutet aber ebenfalls nicht automatisch, dass dort nach einer Kerndämmung Schimmel entsteht.

In unserem Beitrag „Warum schimmeln meine Wände?“ erklären wir genau diesen Zusammenhang zwischen kalter Wandoberfläche, Oberflächenfeuchtigkeit und geometrischen Wärmebrücken. Dort zeigen wir auch, wie stark eine Kerndämmung die Oberflächentemperatur einer Außenwand verbessern kann.

Ist es rechtlich erlaubt, nur einen Teil der Außenwände zu dämmen?

Hier sollte man vorsichtig mit pauschalen Aussagen sein. Das Gebäudeenergiegesetz schreibt nicht grundsätzlich vor: „Wenn eine Außenwand gedämmt wird, müssen automatisch sämtliche anderen Außenwände ebenfalls gedämmt werden.“

§ 48 GEG knüpft Anforderungen grundsätzlich an Außenbauteile beziehungsweise Flächen, die erneuert, ersetzt oder erstmalig eingebaut beziehungsweise entsprechend verändert werden. Bei Änderungen von mehr als 10 Prozent der jeweiligen Bauteilgruppe müssen für die betroffenen geänderten Flächen grundsätzlich die Anforderungen des GEG berücksichtigt werden. Für Außenwände nennt Anlage 7 im Regelfall einen maximalen U-Wert von 0,24 W/(m²·K), wobei für bestimmte Konstruktionen und technisch begrenzte Dämmstoffstärken Sonderregelungen bestehen.

Eine vollständig unangetastete massive Außenwand wird nicht allein deshalb automatisch sanierungspflichtig, weil an anderen Außenwänden eine Kerndämmung vorgenommen wurde. Trotzdem sollte jedes konkrete Gebäude individuell bewertet werden.

Warum eine vollständige Dämmung rechtlich und planerisch trotzdem die konservativere Lösung sein kann

Eine energetisch möglichst gleichmäßige Gebäudehülle lässt sich bauphysikalisch einfacher bewerten. Je weniger starke Unterschiede zwischen den einzelnen Außenbauteilen bestehen, desto geringer ist grundsätzlich das Risiko ausgeprägter thermischer Schwachstellen. Wenn keinerlei Kostenfrage bestünde, würden wir deshalb aus rein bauphysikalischer Sicht normalerweise empfehlen, auch die vierte Wand energetisch auf ein vergleichbares Niveau zu bringen.

Das ist die planerisch sicherere und energetisch bessere Variante. Das bedeutet aber nicht, dass diese Investition in jedem Fall sofort wirtschaftlich erforderlich ist. Genau hier liegt der Unterschied zwischen der technisch optimalen Lösung und einer wirtschaftlich sinnvollen Sanierungsstrategie.

Warum es finanziell sinnvoll sein kann, zunächst abzuwarten

Eine Einblasdämmung nutzt einen bereits vorhandenen Hohlraum. Deshalb sind keine aufwendige Unterkonstruktion, keine dicken Fassadenplatten und häufig auch kein Gerüst erforderlich. Das macht die Kerndämmung besonders wirtschaftlich – eine aktuelle Einordnung findest du auf unserer Seite zu den Kosten einer Einblasdämmung.

Eine massive vierte Außenwand benötigt dagegen ein völlig anderes Dämmsystem und die Kosten können dadurch erheblich höher liegen. Wenn die vorhandene massive Wand:

  • bisher keine Schimmelprobleme verursacht hat,
  • ausreichend dick ist,
  • innen ausreichend warm bleibt,
  • und keine auffälligen Wärmebrücken aufweist,

kann es wirtschaftlich durchaus sinnvoll sein, zunächst zu prüfen, ob eine zusätzliche Dämmung tatsächlich notwendig ist. Man muss nicht zwangsläufig mehrere Tausend Euro investieren, nur weil drei andere Außenwände günstig mit einer Einblasdämmung verbessert werden können.

Sandro Hohnemann, Mariella Hohnemann und Olaf Hohnemann von der Fassadenkontor GmbH – Dachdeckermeisterbetrieb und Fachbetrieb für Einblasdämmung in Hannover, Hamburg und Bremen.
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Wenn die vierte Wand zu kalt ist: Welche Dämmmöglichkeiten gibt es?

Sollten die Messungen zeigen, dass die verbleibende Außenwand tatsächlich problematisch kalt wird, stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.

1. Wärmedämmverbundsystem – WDVS

Ein klassisches Wärmedämmverbundsystem wird von außen auf die massive Wand aufgebracht. Auf die Außenwand werden Dämmplatten befestigt, anschließend folgt ein Armierungsaufbau mit Oberputz.

Vorteile:

  • sehr gute Dämmwirkung,
  • vorhandene Wärmebrücken lassen sich weitgehend reduzieren,
  • die massive Wand befindet sich anschließend innerhalb der warmen Gebäudehülle.

Nachteil: Ein WDVS ist gegenüber einer Einblasdämmung wesentlich aufwendiger und teurer.

2. Vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Mineralwolle

Eine weitere technisch interessante Lösung ist eine vorgehängte hinterlüftete Fassade, wie sie beispielsweise von Dachdeckerbetrieben ausgeführt wird. Dabei wird vor die massive Wand eine Unterkonstruktion, beispielsweise aus Holz, montiert und zwischen den Konstruktionselementen kann Mineralfaserdämmstoff eingebaut werden. Anschließend wird eine hinterlüftete Fassadenbekleidung montiert, zum Beispiel aus:

  • Holz,
  • Faserzement,
  • Schiefer,
  • Metall,
  • Fassadenplatten.

Diese Konstruktion bietet einen hervorragenden Wärmeschutz und gleichzeitig sehr viele gestalterische Möglichkeiten. Gerade wenn ohnehin eine einzelne Giebelwand optisch verändert werden soll, kann dies eine interessante Alternative zum WDVS sein.

3. Innendämmung

Kann die Außenansicht nicht verändert werden, kommt grundsätzlich auch eine Innendämmung infrage. Sie sollte allerdings wesentlich sorgfältiger geplant werden, denn durch eine Innendämmung verändert sich der Temperatur- und Feuchteverlauf innerhalb der bestehenden Wand. Anschlüsse, Decken, Innenwände und Fensterlaibungen müssen dabei besonders berücksichtigt werden. Eine Innendämmung würden wir deshalb nicht ohne bauphysikalische Planung ausführen.

Welche Lösung ist die beste?

Das hängt vom Gebäude ab.

LösungKostenDämmwirkungAufwand
Drei Wände per Einblasdämmung + vierte beobachtengeringsehr gutes Kosten-Nutzen-Verhältnisgering
WDVS an der vierten Wandhöhersehr guthöher
Hinterlüftete Fassade + Mineralwollehöhersehr guthöher
Innendämmungmittelgutbauphysikalisch anspruchsvoll

Unser Fazit: Nicht automatisch vier Wände teuer dämmen

Wenn drei Außenwände eines Hauses eine geeignete Hohlschicht besitzen und eine vierte Wand massiv ausgeführt wurde, würden wir nicht automatisch von der Einblasdämmung abraten. Die drei geeigneten Hausseiten können energetisch deutlich verbessert werden. Die vierte Wand wird dadurch nicht plötzlich schlechter als vorher, sie bleibt allerdings die energetisch schwächste Außenfläche des Gebäudes.

Aus rein bauphysikalischer Sicht ist es grundsätzlich besser, auch diese Wand auf ein vergleichbares Dämmniveau zu bringen. Aus wirtschaftlicher Sicht kann es jedoch sinnvoll sein, zunächst nur die drei problemlos dämmbaren Hausseiten mit einer Einblasdämmung zu versehen und die vierte Wand während der nächsten kalten Heizperiode gezielt zu überprüfen.

Bleiben Oberflächentemperatur und Raumluftfeuchtigkeit in einem unkritischen Bereich, besteht möglicherweise kein unmittelbarer Handlungsbedarf. Zeigen die Messungen dagegen sehr niedrige Oberflächentemperaturen oder erhöht sich die Oberflächenfeuchtigkeit deutlich, kann die vierte Hausseite anschließend gezielt mit einem anderen Dämmsystem verbessert werden. Damit verbindet man zwei Ziele: möglichst hohe energetische Verbesserung bei gleichzeitig wirtschaftlich sinnvollem Mitteleinsatz.

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Häufige Fragen zur Dämmung von nur drei Hausseiten

Kann man nur drei von vier Hauswänden dämmen?

Ja. Wenn beispielsweise nur drei Außenwände ein zweischaliges Mauerwerk besitzen, kann dort eine Einblasdämmung durchgeführt werden. Die vierte massive Wand muss mit einem anderen Verfahren gedämmt werden, falls eine zusätzliche Dämmung notwendig ist.

Entsteht durch drei gedämmte Wände automatisch Schimmel an der vierten Wand?

Nein. Die vierte Wand bleibt zunächst in ihrem bisherigen energetischen Zustand. Da die anderen Außenwände anschließend wärmer sind, wird sie jedoch zur thermisch schwächsten Außenfläche und sollte deshalb beobachtet werden.

Ab welcher Wandtemperatur besteht Schimmelgefahr?

Eine feste Temperatur gibt es nicht, da Raumtemperatur und Luftfeuchtigkeit berücksichtigt werden müssen. Unter Standardbedingungen von 20 °C und 50 Prozent relativer Luftfeuchtigkeit wird im Zusammenhang mit dem Mindestwärmeschutz häufig eine Oberflächentemperatur von etwa 12,6 °C als kritischer Bereich betrachtet.

Sind 13 °C bereits der Taupunkt?

Nicht unbedingt. Bei 20 °C und 50 Prozent Raumluftfeuchtigkeit liegt der Taupunkt lediglich bei etwa 9,3 °C. Die ca. 13 °C beziehen sich vielmehr auf einen Bereich, in dem die relative Feuchtigkeit unmittelbar an der Oberfläche bereits so hoch werden kann, dass Schimmelwachstum begünstigt wird.

Wie messe ich die Temperatur meiner Wand?

Für eine erste Überprüfung eignen sich ein Infrarot-Oberflächenthermometer und ein Hygrometer. Besonders interessant sind Messungen während mehrerer sehr kalter Wintertage an Außenecken, Fensterlaibungen und anderen thermisch ungünstigen Bereichen.

Was kann ich tun, wenn die ungedämmte Wand zu kalt ist?

Mögliche Lösungen sind ein Wärmedämmverbundsystem, eine vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Mineralfaserdämmung oder – wenn eine Außendämmung nicht möglich ist – eine fachgerecht geplante Innendämmung.

Muss die vierte Hauswand laut GEG zwingend mitgedämmt werden?

Nicht allein deshalb, weil andere Hausseiten gedämmt werden. Das GEG stellt Anforderungen insbesondere an tatsächlich geänderte Außenbauteile. Bei konkreten Sanierungsmaßnahmen und insbesondere bei einer späteren Außendämmung der vierten Wand müssen die jeweils geltenden Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes berücksichtigt werden.

Ist es besser, gleich alle vier Hausseiten zu dämmen?

Bauphysikalisch und energetisch ist eine möglichst gleichmäßig gedämmte Gebäudehülle grundsätzlich die bessere Lösung. Wirtschaftlich kann es bei sehr unterschiedlichen Wandaufbauten jedoch sinnvoll sein, zunächst die günstig dämmbaren Bereiche zu sanieren und die verbleibende Wand anhand tatsächlicher Messwerte zu beurteilen.

Drei Hausseiten dämmbar und eine nicht? Wir prüfen den Wandaufbau.

Nicht jedes Gebäude besitzt an allen Außenwänden denselben Aufbau. Deshalb prüfen wir vor einer Einblasdämmung, wo geeignete Hohlschichten vorhanden sind und welche Bereiche tatsächlich mit unserem Verfahren gedämmt werden können.

Wenn einzelne Außenwände anders aufgebaut sind, erklären wir dir offen, welche Möglichkeiten bestehen und ob eine zusätzliche Dämmmaßnahme aus unserer Sicht sinnvoll ist. Unser Ziel ist nicht, möglichst viel Dämmung zu verkaufen – sondern die Dämmmaßnahme zu finden, die technisch sinnvoll und wirtschaftlich vernünftig zu deinem Haus passt.

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Sandro Hohnemann
Über den Autor

Sandro Hohnemann

Sandro Hohnemann ist seit 2022 Meister des Dachdeckerhandwerks und seit 2023 Geschäftsführer der Fassadenkontor GmbH. Als erfahrener Handwerksmeister kennt er die Anforderungen moderner Dämm- und Sanierungslösungen genau. Vor Ort unterstützt Sandro Kunden persönlich dabei, bauliche Gegebenheiten fachgerecht zu beurteilen.

Sandro Hohnemann, Mariella Hohnemann und Olaf Hohnemann von der Fassadenkontor GmbH – Dachdeckermeisterbetrieb und Fachbetrieb für Einblasdämmung in Hannover, Hamburg und Bremen.
Handwerksqualität in zweiter Generation

Seit 1991 haben wir über 9.000 Häuser in Norddeutschland gedämmt - zuverlässig, sauber und mit höchstem Qualitätsanspruch. Vertraue unserer Erfahrung und überlasse deine Einblasdämmung nicht dem Zufall!

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– Rebekka Montag